Japan holt Rat bei Cochemer Juristen
Geschrieben von: RZ Mittelmosel vom Mittwoch, 15. September 2010, Seite 15 Mittwoch, den 15. September 2010 um 09:41 Uhr
Warum interessieren sich Japaner für das „Cochemer Modell"?
In Japan ist die Scheidungsrate ähnlich hoch wie in Deutschland; derzeit liegt sie bei knapp unter 40 Prozent. Hier wie dort gilt: Immer mehr Kinder sind Trennungskinder. Ihr Wohl muss beachtet werden, auch wenn die Eltern getrennte Wege gehen. Doch zu oft werden Kinder für Machtspiele der Ex-Partner benutzt. Das will das „Cochemer Modell" mit seinem interdisziplinären Helfersystem verhindern. Die Eltern lernen, mithilfe von Psychologen und Familientherapeuten Kompromisse zu finden.
Auch die Mainzer Universität ist neugierig auf diese Praxis. Warum?
Es gibt jetzt ein Modellprojekt zwischen Psychologen und Juristen, das am 28. Oktober offiziell in Mainz vorgestellt wird. Juristen sollen in der Lage sein zu verstehen, welche inneren Prozesse sich bei den von Trennung Betroffenen abspielen, um in gerichtlichen Auseinandersetzungen darauf reagieren zu können.
Was kann das für ein Verfahren vor Gericht bedeuten?
Die Cochemer Amtsgerichtsdirektorin Maya Darscheid baut bei Kindschaftsverfahren „den Gerichtssaal anders auf", wie sie sagt. Die Ex-Partner sitzen sich nicht mehr konfrontativ gegenüber, sondern nebeneinander vor der Richterin. Sie sollen keine Gegner, sondern Gleichberechtigte im Bemühen um das Kindeswohl sein.
Ist das „Cochemer Modell" gesetzlich verankert?
Justizminister Bamberger hat immer unermüdlich für das „Cochemer Modell" geworben, konnte es aber keiner Gerichtsbarkeit vorschreiben. Seit einem Jahr enthält das bundesweit gültige Familienverfahrensgesetz immerhin Elemente der Cochemer Praxis, unter anderem die Möglichkeit des Gerichts, zerstrittenen Eltern Termine bei Familienpsychologen anzuordnen.
Jürgen Rudolph, ehemaliger Familienrichter und einer der geistigen Väter des „Cochemer Modells", baut jetzt ein interdisziplinäres Institut auf. Was ist das Ziel?
Das Institut wird sich in Lehrgängen, Tagungen und Seminaren der Frage widmen: Was passiert in Trennungsfamilien? Was können Berater, Jugendämter, Rechtsanwälte und Richter tun? Derzeit sucht Jürgen Rudolph Sponsoren, die das Institut unterstützen. Untergebracht ist es im Cochemer Kapuzinerkloster.
Birgit Pielen
Infos zum „Cochemer Modell" unter www.ak-cochem.de

